Die Mandäer - Eine religiöse Minderheit aus dem Nahen Osten

Die Mandäer sind eine der ältesten Religionsge-meinschaften der Menschheitsgeschichte. Ihre Existenz lässt sich aufgrund von babylonischen, persischen und islamischen Zeugnissen Jahrhunderte vor Chr. zurückverfolgen. Die Anzahl der Angehörigen dieser Glaubensgemeinschaft wird auf 90.000 geschätzt. Die meisten von ihnen lebten im Irak und Iran. Die Mandäer leben jetzt in Westeuropa, Australien, USA, Kanada und Neuseeland. Tausende Mandäer leben als Flüchtlinge außerdem in Syrien und Jordanien.

Das heilige Buch der Mandäer - "Sidra Rabba" oder auch "Ginza" ("Schatz") genannt - wurde 1925 vom deutschen Religionswissenschaftler Mark Lidzbarski ins Deutsche übersetzt. Die wichtigsten Zeremonien im Mandäismus sind Bestattung, Totenfeier und die Taufe. Diese geht auf Johannes den Täufer zurück, den letzten Propheten dieser Religion. Jeder Mandäer wird mehrmals im Leben getauft . Während der Taufe ("Masbütä" genannt) sind sie in ihrer Vorstellung der Lichtwelt am nächsten. Durch das rituelle "Untertauchen" erreichen sie die Vergebung der Sünden, die Heilung von Krankheiten und die Vertreibung von Dämonen.

Die mandäische Taufe findet traditionell in einem fließenden Gewässer ("Jordan" genannt) statt Im weißen Gewand, das für den Gläubigen aus sieben und für den Priester aus neun Stoffteilen besteht, wird der Gläubige von einem Priester in das Wasser geführt. Das Leben hält ihrem Glauben nach für einen Augenblick inne, um nach der Taufe frisch und klar von Neuem zu beginnen. Beten, Fasten und die Fürsorge für andere sind weitere wichtige Pfeiler der Religion. Der Mandäismus ist keine missionarische Religion. Es existiert kein Gesetz, das den Angehörigen dieser Religionsgemeinschaft das Übertreten zu einer anderen Religion verbietet. Durch Heirat oder Zwangsheirat bzw. Zwangskonvertierung verlieren Mandäer jedoch ihre Zugehörigkeit zur Religionsgemeinschaft.

Menschenrechtsverletzungen

Für die muslimische Mehrheitsbevölkerung gelten die Mandäer nicht als eine im Koran erwähnte "Buchreligion" und genießen daher nicht den Schutz der islamischen Gemeinschaft. Auch Christen respektierten ihre Religion nicht. So versuchten portugiesische Missionare im 19. Jahrhundert, die mandäische Gemeinde im Irak nach Muskat, Goa oder Ceylon umzusiedeln, um sie leichter zum katholischen Glauben bekehren zu können.
Nach dem Machtantritt von Saddam Hussein 1979 sahen sich die Mandäer verstärkt Anfeindungen ausgesetzt.

Seit dem Sturz Saddam Husseins 2003 ist die Situation der Mandäer noch bedrohlicher geworden. Morde an Mandäern, Vergewaltigungen von mandäischen Frauen und Mädchen, öffentliche Demütigungen, Entführungen und Zwangskonvertierungen haben seit 2003 zugenommen. Im Irak wird die Vergewaltigung einer Mandäerin nicht bestraft, denn nach muslimischer Überzeugung geschieht dies zur Läuterung der Ungläubigen. Desweiteren nehmen diskriminierende Maßnahmen und Schikanen gegen Mandäer zu: grundlose Entlassungen, Enteignungen, Verhaftungen und Ausschluss aus Regierungsämtern. Die Frauen werden zum Tragen von Kopftüchern gezwungen. Junge Männer mussten während des letzten Irakkrieges den Militärdienst antreten, obwohl ihnen ihre Religion das Töten kategorisch verbietet. Hunderte mandäische Familien sind inzwischen in die Nachbarländer Syrien und Jordanien geflohen, sowie nach ganz Europa, Amerika und Australien.

Woher kommen sie?

Ein Teil der Mandäer stammen zum einem aus Palästina, Mesopotamien, in der Nähe der Flüsse Euphrat und Tigris.Durch die Anfeindungen der christlichen und später auch der islamischen Religionsgemeinschaften sahen sie sich bald gezwungen, auch diese Orte und die umliegenden Gebiete zu verlassen und in den Süden Babyloniens bis in die Marsch-Gebiete des heutigen südlichen Irak umzusiedeln. Das klassische Mandäisch ist ein aramäischer Dialekt, der dem Aramäischen nahe steht. Neben dem klassischen Mandäisch existiert auch eine moderne gesprochene Form des Mandäischen, die Neumandäisch genannt wird, große Anteile des Arabischen aufweist und nur noch von den Mandäern im Iran in der Provinz Khusistan gesprochen wird.

Die Schöpfungsgeschichte der Mandäer ist der jüdisch-christlichen sehr ähnlich. Wie bei den Christen sind auch bei den Mandäern Adam und Eva die ersten Menschen. Der Mandäismus jedoch beschreibt die Geburt Evas nicht als Entstehung aus Adams Rippe, sondern als Gabe der Lichtwelt an Adam. Daraus erklärt sich die Gleichberechtigung der Frau in den mandäischen Gemeinschaften. Ein Zeichen dafür ist, dass ein Neugeborenes den Nachnamen der Mutter bekommt.